Gebiss als Armutszeugnis

FOTO: KI-Illustration

Das Gebiss der Gesellschaft: Zwischen Sparzwang und Systemversagen

Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte, heißt es im Volksmund. Im Deutschland des Jahres 2026 sagt es jedoch vor allem etwas über den Kontostand aus. Wer durch die Fußgängerzonen der Republik spaziert, sieht eine neue Form der sozialen Spaltung, die sich nicht mehr nur durch Kleidung oder Autos ausdrückt, sondern durch die Anatomie selbst. Der Zahnstatus ist zum unbestechlichen Marker für Wohlstand geworden. Während die eine Hälfte der Gesellschaft sich dank privater Zusatzversicherungen und üppiger Rücklagen ein makelloses Hollywood-Lächeln leistet, klaffen in den Mündern der anderen Hälfte die Lücken der Sparpolitik.

Die aktuelle Debatte, befeuert durch den CDU-nahen Wirtschaftsrat, schlägt nun vor, diesen Zustand zum Systemstandard zu erheben. Zahnbehandlungen sollen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gestrichen werden. Die Begründung? Man wolle die Lohnnebenkosten senken und das System wetterfest machen. Doch die Wahrheit hinter dieser „Agenda für Arbeitnehmer“ ist eine bittere Pille, die vor allem diejenigen schlucken müssen, die den Laden am Laufen halten: die arbeitende Mitte.

Der Luxus der Schmerzfreiheit

Es ist eine beispiellose Ironie, dass ausgerechnet bei der Gesundheit gespart werden soll, während die Abgabenlast für Erwerbstätige ohnehin Rekordhöhen erreicht hat. Schon heute ist der Weg zum Zahnarzt für viele ein Gang nach Canossa. Eine professionelle Wurzelkanalbehandlung kostet pro Kanal schnell 150 bis 200 Euro. Bei einem Backenzahn mit vier Kanälen landet man – inklusive moderner Füllung – im Handumdrehen bei 800 Euro. Wer dieses Geld nicht auf der hohen Kante hat, dem bleibt oft nur die Extraktion. „Zahn raus, Problem gelöst“, scheint die Devise einer kalten Kosten-Nutzen-Rechnung zu sein.

Dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Vizekanzler Lars Klingbeil diese Pläne offiziell ablehnen, mag beruhigend klingen. Doch der Geist ist aus der Flasche. Die Drohkulisse steht: Wer nicht privat vorsorgt, verliert den Anspruch auf ein vollständiges Gebiss. Es ist die Kapitulation des Solidarsystems vor der eigenen Unfähigkeit, die Prioritäten richtig zu setzen. Warum wird das Skalpell der Sparsamkeit zuerst bei den Beitragszahlern angesetzt, die Monat für Monat ihre Abgaben leisten?

Die Schieflage der Solidarität

Hier trifft der gesundheitspolitische Diskurs auf eine gesellschaftliche Realität, die viele Politiker nur ungern ansprechen: Die Kosten für das deutsche Sozialsystem explodieren nicht etwa, weil der durchschnittliche Facharbeiter zu viele Kronen benötigt. Sie steigen, weil das System mit Lasten befrachtet wird, für die es nie konzipiert war. Besonders deutlich wird dies im Bereich der Migration. Während der arbeitende Bürger für jede Wurzelspitzenresektion tief ins Portemonnaie greifen muss, wird die zahnärztliche Versorgung für Asylbewerber und Migranten im Rahmen der Erstversorgung oft vollständig von der Allgemeinheit getragen.

Es ist diese offensichtliche Ungerechtigkeit, die den sozialen Frieden untergräbt. Wenn der Staat erklärt, er habe kein Geld mehr für die Zahngesundheit seiner Beitragszahler, gleichzeitig aber Milliarden für die Versorgung von Menschen aufbringt, die noch nie in dieses System eingezahlt haben, dann stimmt der Kompass nicht mehr. Wenn wir sparen müssen – und das müssen wir zweifellos –, dann sollte der Fokus dort liegen, wo die Ausgaben am stärksten entkoppelt von der wirtschaftlichen Eigenleistung sind: bei den Leistungen für Asylsuchende.

Wege aus der Kostenfalle: Fokus auf die Migration

Anstatt den Leistungskatalog der gesetzlich Versicherten zu plündern, bietet der Bereich der Migrationskosten enorme Einsparpotenziale, die bisher aus ideologischer Scheu kaum angetastet wurden. Wer die Sozialabgaben wirklich senken will, muss hier ansetzen. Ein erster, längst überfälliger Schritt ist die flächendeckende Einführung von Bezahlkarten statt Bargeld. Das Ziel ist simpel: Deutschland darf nicht länger als Magnet für Armutsmigration fungieren, weil hier Geldleistungen winken, die oft das Mehrfache eines Durchschnittslohns in den Herkunftsländern betragen. Sachleistungen und zweckgebundene Wertkarten senken die Anreize für eine illegale Migration in die Sozialsysteme drastisch.

Ein weiterer Hebel liegt in der Unterbringung. Der Anspruch auf eine eigene Wohnung für Asylbewerber, oft verbunden mit hohen Mietkosten in Ballungsräumen, muss fallen. Eine Rückkehr zu kostengünstigen Gemeinschaftsunterkünften, die effizienter verwaltet werden können, würde nicht nur den Wohnungsmarkt entlasten, sondern auch die kommunalen Haushalte in Millionenhöhe stützen. Hierbei geht es nicht um Unmenschlichkeit, sondern um eine Rückkehr zum Prinzip des Notwendigen. Ein Dach über dem Kopf und eine angemessene Versorgung sind menschenrechtlich geboten – eine Vollkasko-Alimentierung auf dem Niveau der einheimischen Bevölkerung ist es nicht.

Zudem müssen die Asylleistungen insgesamt gesenkt werden. Deutschland liegt im europäischen Vergleich bei den Transferleistungen an der Spitze. Eine Harmonisierung auf ein Niveau, das lediglich das physische Existenzminimum deckt, würde Milliarden freisetzen. Gelder, die wir dringend benötigen, um die Krankenversicherungsbeiträge stabil zu halten und sicherzustellen, dass sich auch ein Geringverdiener in diesem Land noch eine Wurzelbehandlung leisten kann.

Ein Lächeln für alle, nicht nur für Wenige

Der Wirtschaftsrat der CDU hat mit seinem Vorstoß einen wunden Punkt getroffen, allerdings die falsche Lösung präsentiert. Die Privatisierung der Zahngesundheit wäre das Ende der sozialen Marktwirtschaft im Gesundheitssektor. Es darf nicht sein, dass man in einem der reichsten Länder der Welt am Gebiss erkennt, ob jemand zur „Leistungselite“ oder zum „Prekariat“ gehört. Gesundheit ist kein Lifestyle-Produkt, sondern die Grundvoraussetzung für Teilhabe und Würde.

Wenn Kanzler Friedrich Merz und seine Regierung den Wirtschaftsstandort Deutschland retten wollen, dann müssen sie die Lohnnebenkosten senken, ohne die Versicherten zu Patienten zweiter Klasse zu degradieren. Das gelingt nur durch einen radikalen Kurswechsel in der Migrationspolitik. Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, den Gürtel bei denen enger zu schnallen, die die Last tragen. Sparen wir lieber dort, wo der Staat durch falsche Anreize und überbordende Großzügigkeit Geld verbrennt, das er an anderer Stelle – buchstäblich – für den Erhalt des gesellschaftlichen Bisses braucht.

Der Zahnstatus darf kein Marker für Armut bleiben. Er muss wieder ein Zeugnis eines funktionierenden Sozialstaates werden, der weiß, wer seine Rechnungen bezahlt. Wer den sozialen Frieden erhalten will, darf nicht das Lächeln der Bürger pfänden, sondern muss die Ausgabenbremse dort anziehen, wo sie am dringendsten benötigt wird.