Ein fiktives Gedankenspiel lässt Raum für Hoffnungen: Warum eine „Union der Werte“ das Aus der Afd bedeuten könnte
BERLIN – 10. Februar 2026. In der Hauptstadt herrscht eine seltsame Stimmung. Es ist eine Mischung aus Katerstimmung nach einem turbulenten Wochenende und nervöser Erwartung. Während sich die SPD mit ihrem neuen Linkskurs unter Bärbel Bas ideologisch einzumauern scheint und die AfD nach dem PR-Desaster von Tino Chrupalla bei Caren Miosga ihre Wunden leckt, gibt es ein fiktives Gedankenspiel, das so explosiv ist, dass man sich fast wünscht, es wäre mehr als nur eine fiktive Idee.
Es geht um die fiktive Frage: Was wäre, wenn sich Alice Weidel, Frauke Petry und Hans-Georg Maaßen in einer neuen politischen Kraft vereinen würden? Um es vorwegzunehmen: Bestätigen lässt sich dieses Szenario aktuell nicht. Weder gibt es offizielle Statements noch verlässliche Leaks über festterminierte Gründungsparteitage. Kritiker mögen es als bloßes Hirngespinst abtun, als Wunschdenken konservativer Zirkel. Doch dass dieses Gerücht überhaupt existiert, verrät viel über den Zustand der Republik. Denn die bloße Möglichkeit einer solchen Konstellation legt den Finger in die offenste Wunde des deutschen Parteiensystems.
Der Ausweg aus der Brandmauer-Falle
Warum elektrisiert dieses theoretische Gedankenspiel so sehr? Weil es, rein strategisch betrachtet, der gordische Knotenlöser für das bürgerliche Lager wäre. Deutschland steckt in einer politischen Sackgasse. Die CDU/CSU hat sich mit ihrer Brandmauer zur AfD selbst gefesselt. Da die SPD gleichzeitig immer weiter nach links rückt, das neue Grundsatzprogramm ist der Beweis, und die Grünen ihre Klientel bedienen, gibt es für eine bürgerlich-konservative Politik kaum noch Spielraum. Die Union ist gezwungen, Koalitionen mit Partnern einzugehen, die ihre Inhalte verwässern, nur um die AfD draußen zu halten.
Eine Partei unter der Führung von Weidel, Petry und Maaßen würde diese Statik über Nacht verändern. Sie wäre rechts der Union verortet, aber, und das ist der entscheidende Punkt, sie wäre durch das Personal Maaßen und Petry sowie eine „geläuterte“ Weidel satisfaktionsfähig. Sie wäre nicht der „gärige Haufen“ mit völkischen Ausfällen, sondern eine harte, aber demokratische Konkurrenz. Die Brandmauer, die gegen Rechtsextremisten errichtet wurde, liefe bei diesem Bündnis ins Leere. Für die CDU wäre es plötzlich möglich, konservative Mehrheiten zu bilden, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, mit Verfassungsfeinden zu paktieren.
Die Chance, die linke Hegemonie zu brechen
Das Szenario eines solchen Dreierbündnisses ist auch deshalb so verlockend für viele Bürgerliche, weil es die einzige realistische Option scheint, die strukturelle linke Dominanz in Politik und Medien zu brechen. Solange das konservative Lager in eine „anständige“ Mitte (Union) und eine „unanständige“ Rechte (AfD) gespalten ist, regiert links der Mitte immer eine rechnerische oder moralische Mehrheit.
Ein Bündnis Weidel-Petry-Maaßen würde das konservative Wählerpotenzial, das derzeit bei der AfD „geparkt“ ist oder frustriert zu Hause bleibt, bündeln und reinigen. Ein solches Bündnis hätte wahrscheinlich ein Potenzial von bis zu 20 Prozent. Das wäre das Ende der linken Deutungshoheit. Eine bürgerliche Koalition aus Union und dieser neuen Kraft wäre rechnerisch möglich und inhaltlich stabil. Es wäre die Rückkehr zu einer Politik, die innere Sicherheit, wirtschaftliche Vernunft und nationale Interessen in den Mittelpunkt stellt, ohne in Extremismus abzugleiten.
Das Ende des AfD-Sumpfes
Vielleicht ist der charmanteste Aspekt dieses unbestätigten Gerüchts die Auswirkung, die es auf den rechten Rand hätte. Die AfD in ihrer jetzigen Form, dominiert von den Höckes und Chrupallas, lebt davon, dass es keine Alternative für die Unzufriedenen gibt. Wer gegen die Migrationspolitik oder die Energiepolitik der Ampel ist, muss fast zwangsläufig AfD wählen, auch wenn er die russophilen Töne eines Chrupalla oder die radikalen Parolen aus Thüringen verabscheut.
Alice Weidel, Frauke Petry und Hans-Georg Maaßen könnten dieses Dilemma auflösen. Wenn Weidel den Mut hätte, den radikalen Ballast abzuwerfen und mit den beiden anderen neu zu starten, würde das der AfD das Wasser abgraben. Die bürgerlichen Wähler würden in Scharen überlaufen. Zurück bliebe eine Rumpf-Partei der Ewiggestrigen und Krawallmacher, die politisch in der Bedeutungslosigkeit verschwinden würde. Das wäre der effektivste Kampf gegen Rechtsaußen, den man sich vorstellen kann: Trockenlegung durch eine bessere Alternative.
Ein Wagnis mit historischer Dimension
Natürlich, noch ist es nur ein theortisches Gedankenspiel, ein Hirngespinst. Die Hürden wärn gigantisch. Drei starke Egos müssten sich zusammenraufen. Alice Weidel müsste ihre Machtbasis in der AfD aufgeben für ein riskantes neues Projekt. Frauke Petry und Hans-Georg Maaßen müssten beweisen, dass sie teamfähig sind.
Aber die Ereignisse der letzten Tage, der Linksruck der SPD, der Tabubruch der Linken in Thüringen, die Selbstdemontage der AfD-Spitze bei Miosga, haben den Boden bereitet. Das Vakuum ist da. Die Sehnsucht nach einer bürgerlichen Politik, die weder woke noch extremistisch ist, ist riesig.
Auch wenn sich das Gerücht nicht bestätigen lässt: Es ist mehr als nur heiße Luft. Es ist eine politische Notwendigkeit, die in der Luft liegt. Sollten Weidel, Petry und Maaßen tatsächlich den Mut haben, dieses Bündnis zu schmieden, wäre es der Befreiungsschlag, auf den das bürgerliche Deutschland seit einem Jahrzehnt wartet. Es wäre die Chance, die Demokratie vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen.
