Daniel Günther vs NIUS

Ministerpräsident Daniel Günther hat sich mit seiner NIUS-Schelte auf ein riskantes Spiel eingelassen. / Foto: Pressefoto / KI-Montage

Von SVENSKI

Daniel Günther bei Lanz: Frontalangriff auf „Nius“ – Geht das gut?

Es war einer dieser Fernsehabende, an denen der Blutdruck im Studio und vor den Bildschirmen gleichermaßen stieg. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther saß bei Markus Lanz und nahm kein Blatt vor den Mund. Sein Ziel: Das News-Portal „Nius“, geführt vom Ex-BILD-Chef Julian Reichelt. Günther bezeichnete das Portal als „faktenfrei“ und nannte solche Plattformen gar „Feinde der Demokratie“.

Ein heftiger Vorwurf, der sofort für juristisches Nachbeben sorgte. „Nius“ wehrte sich postwendend, sah sich als „Lügenschleuder“ diffamiert und zog vor Gericht. Doch das Verwaltungsgericht Schleswig gab dem Ministerpräsidenten vorerst recht: Seine Aussagen seien als Teil einer medienpolitischen Debatte von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Wenn die Macht die Feder angreift

Die Geschichte lehrt uns jedoch: Wenn Politiker gegen die Presse in den Ring steigen, ziehen sie am Ende oft den Kürzeren. Erinnert sich noch jemand an die Spiegel-Affäre? Franz Josef Strauß wollte das Nachrichtenmagazin in die Knie zwingen und stürzte am Ende selbst über den massiven Widerstand von Öffentlichkeit und Justiz.

Oder nehmen wir Christian Wulff. Ein verhängnisvoller Anruf auf der Mailbox von „Bild“-Chef Diekmann reichte aus, um eine Lawine loszutreten, die ihn schließlich das Schloss Bellevue kostete. Die Presse mag Fehler machen, sie mag zuspitzen und manchmal sogar nerven – aber wer als Staatsmann versucht, sie mit dem Säbel zu rütteln, verliert meist sein Gleichgewicht.

Zwischen Amtseid und eigener Meinung

Natürlich wird die Meinungsfreiheit in Deutschland nicht sofort beerdigt, nur weil ein Ministerpräsident mal Dampf ablässt. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Dennoch stellt sich eine ganz fundamentale Frage: Warum müssen unsere Spitzenpolitiker eigentlich ständig diese künstliche Trennung vollziehen?

In der Talkshow wird penibel abgewogen: Spricht da gerade der „Privatmann“ Günther oder der „Ministerpräsident“? Es wirkt fast ein wenig absurd. Wäre es nicht eigentlich schöner, wenn ein Kanzler oder ein Landesvater einfach sagen dürfte, was er denkt, ohne dass Heerscharen von Anwälten prüfen müssen, ob er dabei gerade seine Amtsinsignien trägt oder nicht?

Ein bisschen mehr Gelassenheit täte gut

Ja, man kann sich über „Nius“ ärgern. Die Geschichten dort sind oft so scharf formuliert, dass sie genau da wehtun, wo es beabsichtigt ist. Aber genau deshalb haben sie meist ein Fundament, denn völlig faktenfreie Luftschlösser würden kaum diese Resonanz erzeugen.

Günther hat sich im Ton vergriffen, das steht fest. Ein Ministerpräsident sollte über den Dingen stehen, statt sich auf eine Ebene zu begeben, die er eigentlich kritisieren möchte. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ein freies Land hält auch unbequeme Portale aus. Und Politiker sollten wissen, dass der Kampf gegen die Presse fast immer ein Bumerang ist.

Und auch NIUS sollte verstehen: Wer am lautesten brüllt, spürt den Gegenwird zuerst.