Für Deutschland: Höcke muss weg

Pressefoto Thüringischer Landtag / KI-Illustration

Von Svenski

Der gordische Knoten der Republik – Warum Höcke weg muss

Kann die AfD jemals regierungsfähig werden?

Von der Brandmauer zur Sackgasse: Während die Union im Umfragetief mit sich selbst ringt, liefert Björn Höcke pünktlich zum Jahresbeginn 2026 den nächsten juristischen Knall. Eine Analyse über den Wählerwillen, die Selbstzerstörung einer Partei – und das schärfste Schwert der Demokratie.

Deutschland im Februar 2026: Gereizt, müde, blockiert

Die politische Stimmung im Land ist angespannt. Chronisch gereizt, könnte man sagen. Viele Bürger haben genug von Streit, Symbolpolitik und endlosen Kompromissen. Eigentlich scheint die Lage eindeutig: Umfragen zeigen seit Monaten eine klare bürgerlich-konservative Mehrheit. Die Sehnsucht ist greifbar – nach einer pragmatischen Migrationspolitik, Entlastung für den Mittelstand und einem Schlussstrich unter ideologische Experimente.

Doch die politische Realität fühlt sich an wie ein Puzzle, bei dem das wichtigste Teil absichtlich entfernt wurde. Der Grund: die Brandmauer zur AfD. Sie steht felsenfest. Und währenddessen wirkt die CDU unter Friedrich Merz oft so, als würde sie lieber mit den Grünen über Lastenräder diskutieren, als auch nur den Blick nach rechts zu wagen.

Das Problem ist dabei nicht nur die Angst vor einem medialen Shitstorm. Das Problem hat einen Namen. Ein Gesicht. Und – seit dieser Woche – ein neues Aktenzeichen.

Höcke tut es schon wieder

Ein Déjà-vu im Thüringer Landtag

Man könnte annehmen, ein ehemaliger Geschichtslehrer hätte eine gewisse Lernkurve. Doch Björn Höcke scheint entschlossen, das Gegenteil zu beweisen. Er testet die Grenzen des Rechtsstaats nicht nur aus – er rennt mit Anlauf dagegen.

Am 4. Februar 2026, mitten in der hitzigen Debatte über das von der AfD eingebrachte konstruktive Misstrauensvotum gegen Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU), passierte es erneut: Höcke zitierte im Plenum die verbotene SA-Parole „Alles für …“.

Dabei war die Sache eigentlich geklärt. Erst im September 2025 hatte der Bundesgerichtshof seine Revision verworfen. Die Geldstrafen für genau diesen Spruch sind rechtskräftig. Höcke gilt seither offiziell als vorbestraft.

Dass er dieselbe Parole nur wenige Monate später erneut benutzt – diesmal im vermeintlich geschützten Raum des Parlaments –, ist kein Ausrutscher. Es ist eine bewusste Provokation. Eine Machtdemonstration. Und ein klares Signal: Dieser Teil der AfD will gar nicht regieren. Er will den Bruch.

Die Thüringer Polizei ermittelt bereits. Landtagspräsident Thadäus König (CDU) verzichtete zunächst auf einen Ordnungsruf – offenbar, um Höcke nicht erneut zur Bühne für seine Lieblingsrolle als „Opfer des Systems“ zu machen. Doch draußen kocht die Stimmung.

Die Brandmauer wirkt – aber sie lähmt

Solche radikalen Auftritte haben Folgen. Sie blockieren nicht nur die AfD, sondern die gesamte politische Mitte. Nehmen wir Energiepolitik oder Sozialreformen: Im Bundestag gäbe es rechnerisch Mehrheiten jenseits von SPD und Grünen.

Doch solange die AfD Figuren wie Höcke oder Daniel Halemba in ihren Reihen duldet – Halemba wurde im Februar 2026 wegen Geldwäsche und Nötigung verurteilt –, wäre jede Zusammenarbeit für die Union politischer Selbstmord.

Das Ergebnis: Der Wählerwille verpufft. Die CDU lässt sich, wie Kritiker sagen, „am Nasenring durch die Manege ziehen“, um mit links-grünen Partnern Mehrheiten zu basteln, die viele Wähler längst satt haben. Was einst als Schutz der Demokratie gedacht war, wird immer mehr zum Schutzschild für eine Politik gegen die Mehrheit.

Ein personelles Trümmerfeld

Die lange Liste der Belastungen

Wenn Alice Weidel die AfD wirklich regierungsfähig machen wollte, müsste sie zur politischen Abrissbirne greifen. Eine radikale Selbstbereinigung. Eine „Nacht der langen Messer“ – natürlich nur im übertragenen Sinn. Denn die Liste der untragbaren Personalien wird immer länger:

  • Björn Höcke: Verurteilungen wegen SA-Parolen sind rechtskräftig, neue Ermittlungen laufen.

  • Marie-Thérèse Kaiser: Wegen Volksverhetzung rechtskräftig verurteilt.

  • Daniel Halemba: Verurteilt wegen Geldwäsche und Nötigung, NS-Relikte im Umfeld.

  • Maximilian Krah: SS-Relativierung, Bestechlichkeits- und Geldwäscheverdacht, Immunität aufgehoben.

  • Sebastian Münzenmeier: Vorbestraft wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung.

Diese Namen erklären, warum die AfD für bürgerliche Koalitionen derzeit unantastbar ist. Es geht längst nicht mehr nur um Programme. Es geht um moralische und juristische Radioaktivität.

Operation am Wahlrecht?

Warum das schärfste Schwert kaum schneidet

In der Verzweiflung greifen manche zu einer radikalen Idee: Warum den extremen Köpfen nicht einfach das passive Wahlrecht entziehen?

Juristisch ist das ein Drahtseilakt ohne Netz. Und das ist auch Absicht. Der Rechtsstaat soll verhindern, dass Regierungen unliebsame Opposition einfach ausschalten.

  • Der Automatismus (§ 45 StGB): Nur wer zu mindestens einem Jahr Haft verurteilt wird, verliert automatisch das Wahlrecht. Geldstrafen reichen nicht. Höcke und Co. bleiben wählbar.

  • Grundrechtsverwirkung (Art. 18 GG): Theoretisch könnte das Bundesverfassungsgericht Einzelpersonen die Wählbarkeit entziehen. Praktisch ist das noch nie passiert. Die Angst, Höcke zum Märtyrer zu machen, ist groß.

Parteiverbot: Lösung oder Brandbeschleuniger?

Seit Mai 2025 stuft der Verfassungsschutz die AfD als „gesichert rechtsextrem“ ein. Das öffnet die Tür für ein Verbotsverfahren. Doch auch hier gilt: Ein Verbot ist kein Zaubertrick.

Die Millionen Wähler verschwinden nicht. Sie könnten sich radikalisieren, neue Strukturen bilden, den Staat weiter delegitimieren. Zudem würde ein Verbotsverfahren Jahre dauern – Jahre politischer Lähmung.

Selbstreinigung oder Daueropposition

Die AfD steht an einem Scheideweg. Der Versuch von Alice Weidel, mit bürgerlichem Auftreten Seriosität zu simulieren, während im Hintergrund der radikale Flügel an der Verfassung sägt, ist gescheitert. Der jüngste Auftritt Höckes im Thüringer Landtag macht das überdeutlich.

Wenn Deutschland wieder handlungsfähig werden soll, müsste die AfD ihre Extremisten konsequent ausschließen – oder sich spalten. Beides gilt als unwahrscheinlich. Die Folge: Die Union bleibt in der Geiselhaft der Brandmauer.

Solange Höcke „Alles für …“ ruft, sorgt er paradoxerweise dafür, dass Deutschland politisch blockiert bleibt. Die größte Hürde für eine konservative Wende ist derzeit nicht SPD oder Grüne – es ist die Unfähigkeit der AfD, sich von ihren eigenen Extremisten zu trennen.