Kommentar von Sven Wolter-Rousseaux
In Deutschland wird derzeit eine Debatte darüber geführt, ob Arbeitnehmer zu schnell „krank machen“. Diskutiert werden Prämien für Beschäftigte mit wenigen Krankheitstagen, die Kürzung der Lohnfortzahlung in den ersten Krankheitstagen oder andere finanzielle Anreize und Sanktionen. Diese Diskussion verfehlt jedoch den Kern des Problems.
Nicht fehlende Arbeitsmoral ist das zentrale Thema, sondern falsch gesetzte Anreize. Während der Corona-Pandemie waren erleichterte Zugänge zur Krankschreibung sinnvoll und notwendig. Was damals aus Gründen des Infektionsschutzes richtig war, ist heute jedoch nicht mehr zeitgemäß.
Statt Beschäftigte unter Generalverdacht zu stellen oder neue Sanktionsmechanismen einzuführen, sollten die bestehenden Pull-Faktoren für Krankschreibungen konsequent zurückgebaut werden. Dazu gehört insbesondere die telefonische Krankschreibung. Wenn für ein ärztliches Attest wieder eine persönliche Vorstellung in der Praxis erforderlich ist und die Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt werden muss, wird sich das System weitgehend selbst regulieren.
Dann lassen sich diejenigen krankschreiben, die tatsächlich krank sind – und genau darum sollte es gehen.
