Sorry, Herr Würth: Ihre Arbeitswelt ist aus der Zeit gefallen!

Reinhold Würth ist ein deutsch-österreichischer Unternehmer, Milliardär und Kunstmäzen. Er baute ab 1954 das Schrauben-Handelsunternehmen Würth zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik mit rund 87.000 Mitarbeitern auf. FOTO: WÜRTH-GRUPPE

Warum wir nicht MEHR arbeiten müssen, sondern SCHLAUER – und warum Briefe diktieren um 21.30 Uhr kein Vorbild, sondern Zeitverschwendung ist.

Ein Kommentar von Sven Wolter-Rousseaux

Der „Schraubenkönig“ holt den Hammer raus – und haut voll daneben!

Reinhold Würth (90), Patriarch des gleichnamigen Schrauben-Imperiums, liest Deutschland die Leviten. In der „Augsburger Allgemeinen“ poltert der Senior gegen die angeblich faule Generation der Enkel. Seine Diagnose: Wir sind zu satt, zu krank und zu verwöhnt.

„Da kann einem Angst und Bange werden“, sagt Würth. „Wir müssen wieder mehr schaffen in Deutschland. Wir müssen fleißiger werden.“

JOBWOCHE sagt: Vorsicht, Herr Würth! Ihre Diagnose stammt aus dem letzten Jahrhundert.

Während der Schrauben-Milliardär fordert, dass wir schuften bis zum Umfallen, übersieht er die wichtigste Revolution unserer Zeit: Effizienz durch Technologie.

Der Denkfehler: Masse statt Klasse

Würth schimpft über Gewerkschafter, die Nachhol-Feiertage fordern und wettert: „Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel.“

Fakt ist: Das Geld fällt nicht vom Himmel, es entsteht durch Innovation. Würth vergleicht Deutschland mit Ländern, die „bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger arbeiten“. Das ist der falsche Maßstab! Deutschland kann und will kein Billiglohnland sein. Unser Wettbewerbsvorteil ist nicht der Schweiß auf der Stirn, sondern der Grips im Kopf. Wer 2026 noch glaubt, dass mehr Stunden automatisch mehr Produktivität bedeuten, hat die digitale Wende verschlafen.

Briefe diktieren? Das macht heute die KI!

Besonders ein Satz des 90-Jährigen entlarvt, wie sehr sein Denken aus der Zeit gefallen ist. Stolz erzählt er: „So diktiere ich manchmal um 21.30 Uhr abends zu Hause noch Briefe.“

Respekt für die Lebensleistung, aber ganz ehrlich: Das ist nicht fleißig, das ist ineffizient!

Wer heute noch abends Briefe diktiert, arbeitet mit Methoden von gestern. Moderne Arbeitnehmer nutzen KI-Tools. Was Würth in einer halben Stunde diktiert und eine Sekretärin tippen lässt, erledigt eine gut instruierte KI in drei Sekunden – fehlerfrei und in fünf Sprachen.

Das Problem ist nicht, dass die Deutschen zu wenig arbeiten. Das Problem ist die verkrustete „Das haben wir schon immer so gemacht“-Mentalität, die in vielen Chefetagen herrscht. Wir brauchen keine Überstunden im Büro, wir brauchen intelligente Automatisierung, die uns die Routinearbeit vom Hals schafft.

Merz und die Kranken-Debatte

Würth springt auch Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) zur Seite, der über die telefonische Krankschreibung klagt und hohe Krankenstände kritisiert. Würth warnt vor dem „Niedergang“, weil die „Work-Life-Balance“ zu sehr Richtung „Life“ kippe.

Die Wahrheit ist: Wer krank ist, ist krank. Und wer ausgebrannt ist, leistet nichts. Die „verwöhnten“ Babyboomer-Kinder, die Würth kritisiert, sind oft diejenigen, die Prozesse hinterfragen, statt sie blind abzuarbeiten.

Eine Analyse mit dem Umfrage-Tool zeigt deutlich: Die junge Generation ist nicht faul, sie weigert sich nur, unnötige Arbeit zu tun, die eine Maschine besser kann.

Fazit von JOBWOCHE: Herr Würth, Deutschland braucht keinen Weckruf für mehr Maloche. Wir brauchen einen Weckruf für mehr Mut zur Technik! Wer um 21.30 Uhr noch Briefe diktiert, ist kein Held der Arbeit – er hat nur noch nicht gelernt, wie man effizient delegiert. Die Antwort auf die Krise ist nicht mehr Schweiß, sondern mehr Silizium.