Politik
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Die Linke lebt – aber wovon eigentlich?

KI-Faktencheck: Überwiegend stimmig – zur Begründung springen
Ein Kommentar von Redaktion NOWO1 mit KI-Unterstützung 3 Minuten Lesezeit

Totgesagte leben länger, heißt es. Auf Die Linke trifft dieser abgenutzte Spruch derzeit erstaunlich gut zu. Noch vor anderthalb Jahren wirkte die Partei wie ein Auslaufmodell, zerrieben zwischen internen Grabenkämpfen, dem Abgang Sahra Wagenknechts und einer Wählerschaft, die längst woanders ihr Kreuz machte. Heute füllen sich die Mitgliederlisten, und bei jungen Leuten in den Großstädten ist linke Politik plötzlich wieder ein Gesprächsthema. Eine bemerkenswerte Wende. Doch sie verdeckt eine unbequeme Frage: Worauf gründet sich dieser neue Zuspruch eigentlich?

Der Erfolg der Partei speist sich vor allem aus Empörung. Steigende Mieten, eine soziale Schere, die immer weiter aufgeht, das Gefühl, dass die etablierte Politik die Sorgen der unteren Einkommensschichten verlernt hat – all das spielt der Linken in die Hände. Sie hat einen Nerv getroffen, der bei SPD und Grünen zuletzt taub geworden war. Wer heute in einer Großstadt eine bezahlbare Wohnung sucht und scheitert, findet bei den Linken zumindest eine Sprache für seinen Frust. Das ist ein politisches Verdienst, das man der Partei nicht absprechen kann.

Aber Empörung ist kein Programm. Sie ist Treibstoff, kein Motor. Und genau hier beginnt das Problem. Denn so eindrucksvoll die Mobilisierung gegen Mietwucher und soziale Kälte gelingt, so vage bleibt oft, was die Partei stattdessen konkret aufbauen will. Forderungen nach Enteignung großer Wohnungskonzerne klingen kämpferisch, doch wie der Übergang vom Slogan zur funktionierenden Realität aussehen soll, bleibt häufig im Nebel. Eine Partei, die regieren will – und sei es nur auf Landesebene –, muss mehr liefern als moralische Klarheit. Sie muss zeigen, dass ihre Vorschläge auch dem Praxistest standhalten.

Hinzu kommt eine außenpolitische Frage, die die Linke seit Jahren wie ein Schatten verfolgt. In Zeiten, in denen ein Angriffskrieg mitten in Europa tobt, reicht es nicht, reflexhaft jede Form von Aufrüstung abzulehnen und sich hinter dem Wort Frieden zu verschanzen. Wer Pazifismus predigt, ohne eine glaubwürdige Antwort auf reale Bedrohungen zu geben, macht es sich zu leicht. Die Partei muss klären, ob sie eine ernstzunehmende sicherheitspolitische Stimme sein will oder bloß Resolutionen für das eigene Gewissen verfasst.

Und doch wäre es kurzsichtig, die Linke abzuschreiben. In einem politischen System, das nach rechts driftet und in dem die AfD ihre Erzählung vom Verfall verbreitet, braucht es eine linke Kraft, die sozialen Protest in demokratische Bahnen lenkt. Die Wut über Ungerechtigkeit verschwindet nicht, wenn man sie ignoriert – sie sucht sich andere Ventile, oft gefährlichere. Insofern erfüllt die Linke eine wichtige Funktion: Sie hält einen Raum offen, der sonst von radikaleren Kräften besetzt würde.

Die Partei steht damit an einer Wegscheide. Sie kann den neuen Zulauf nutzen, um sich zu erneuern, eigene Antworten zu schärfen und vom Protestakteur zur Gestaltungskraft zu reifen. Oder sie verharrt in der bequemen Rolle der ewigen Anklägerin. Die kommenden Monate werden zeigen, welchen Weg sie wählt. Eines aber steht fest: Wer dauerhaft relevant bleiben will, muss irgendwann liefern. Empörung allein trägt keine Regierung – und am Ende auch keine Partei.

Der KI-Faktencheck

Überwiegend stimmig

Fazit: Der Kommentar zeichnet die Lage der Linken im Kern zutreffend nach: Mitgliederboom, junge Wählerschaft, Mietenfokus und außenpolitische Konfliktlinie sind belegt. Einzelne Formulierungen sind zugespitzt, vor allem zur angeblich durchgehend vagen Programmatik und zur pauschalen Ablehnung jeder Aufrüstung.

Details anzeigen: 6 geprüfte Aussagen, Quellen und EinordnungDetails ausblenden

Daten und Fakten geprüft

  • Bestätigt:

    Die Mitgliederlisten der Linken füllen sich nach der Krise wieder deutlich. Bestätigt

    Deutschlandfunk meldete auf Basis von Parteizahlen: Ende 2025 hatte Die Linke 123.126 Mitglieder statt 58.523 Ende 2024. Das entspricht mehr als einer Verdopplung. Quelle: deutschlandfunk.de

  • Bestätigt:

    Die Linke ist bei jungen Menschen in Städten besonders stark geworden. Bestätigt

    Infratest-dimap-Daten bei tagesschau zeigen hohe Werte der Linken bei Unter-25-Jährigen und besonders bei jüngeren Frauen in Städten. Die Aussage ist als Trend belegt. Quelle: tagesschau.de

  • Bestätigt:

    Sahra Wagenknechts Abgang war ein zentraler Einschnitt für die Linke. Bestätigt

    Wagenknecht erklärte am 23. Oktober 2023 ihren Austritt aus der Linkspartei und stellte das BSW-Projekt vor. Der Bundestag behandelte danach Linke und BSW als getrennte Gruppen. Quelle: tagesschau.de

  • Bestätigt:

    Steigende Mieten sind ein realer politischer Ansatzpunkt für die Linke. Bestätigt

    Der Deutschlandatlas nennt für 2025 bundesweit 2,1 Prozent höhere Bestandsmieten; Wiedervermietungsmieten lagen im Schnitt deutlich über Bestandsmieten. Die Mietproblematik ist belegt. Quelle: deutschlandatlas.bund.de

  • Bestätigt:

    Die Linke fordert die Enteignung großer Wohnungskonzerne beziehungsweise unterstützt Deutsche Wohnen & Co enteignen. Bestätigt

    Im Bundestagswahlprogramm 2025 steht, die Partei stehe an der Seite von „Deutsche Wohnen & Co enteignen“. Es nennt zudem gemeinnützigen Wohnungsmarkt und Mietregulierung als Ziele. Quelle: die-linke.de

  • Ungenau:

    Die Linke lehnt in Zeiten des Ukraine-Kriegs reflexhaft jede Form von Aufrüstung ab. Ungenau

    Das Kurzwahlprogramm sagt: „Wir lehnen mehr Geld für Aufrüstung ab“ und will die Bundeswehr zur reinen Verteidigungsarmee umbauen. „Jede Form“ ist daher pauschaler als die belegte Position. Quelle: die-linke.de

Andere Sichtweisen

Der Zusammenhang ist weitgehend stimmig: Der Aufschwung der Linken wird durch Mitglieder- und Wahldaten getragen. Verkürzt ist, dass vorhandene programmatische Details zu Wohnen und Verteidigung kaum berücksichtigt werden; nach Veröffentlichung stützte der Berliner Wahlerfolg den Großstadttrend zusätzlich.

Machart

Der Text ist klar als Meinungsbeitrag angelegt und trennt Fakten nicht immer ausdrücklich von Wertungen. Der Ton ist zugespitzt, aber überwiegend argumentativ und nicht unsachlich.

Automatisch erstellt von einer KI mit Websuche am 18. Oktober 2026. Der Check kann Fehler enthalten und ersetzt keine redaktionelle Prüfung. Meinungen und Wertungen werden nicht als richtig oder falsch bewertet. So prüfen wir

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