Waffenruhe im Nahen Osten: Trumps großer Deal – und Teherans noch größerer Triumph

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Nach Wochen zäher Verhandlungen scheint das Unmögliche möglich: Die Waffen im Nahen Osten sollen schweigen. Washington und Teheran haben sich auf eine Feuerpause verständigt, die zunächst sechzig Tage halten soll. In dieser Zeit wollen beide Seiten über die Einzelheiten eines endgültigen Abkommens beraten. Unterzeichnet werden soll die Absichtserklärung am Freitag in Genf.

Vermittelt haben Pakistan und Katar, die in mühsamen Gesprächsrunden offenbar beide Konfliktparteien davon überzeugen konnten, dass ein militärisches Ende niemandem nützt. Donald Trump hatte einen solchen Durchbruch zuvor beinahe vierzig Mal angekündigt – passiert war nie etwas. Nun also doch.

Doch so erleichternd die Aussicht auf ein Ende des Tötens auch ist: Der am 28. Februar von den USA und Israel begonnene Feldzug hinterlässt vor allem Verlierer. Der größte Gewinner heißt ausgerechnet das Regime in Teheran.

**Trumps selbst gesteckte Ziele verfehlt**

Gemessen an seinen vollmundigen Ankündigungen ist der US-Präsident gescheitert. Hatte er nicht wiederholt erklärt, nur eine Kapitulation komme infrage? Stattdessen sitzt Trump nun mit genau jenen Machthabern am Verhandlungstisch, die er stürzen wollte. Das nun zu unterzeichnende Memorandum lässt zentrale Fragen offen: Bleibt die Straße von Hormus dauerhaft passierbar oder behält sich Teheran die Kontrolle vor? Geben die Mullahs die rund 440 Kilogramm nahezu waffenfähiges Uran tatsächlich heraus? Verzichten sie auf die Unterstützung von Terrorgruppen und reduzieren ihr Raketenarsenal?

All das waren erklärte Kriegsziele, als Trump mit Tausenden Soldaten und einem mächtigen Flottenverband in einen völkerrechtswidrigen Krieg zog. Im Vertragstext dürfte davon kaum noch die Rede sein – vertagt auf spätere Gespräche. Genau darauf hatten Irans Führer spekuliert.

**Eine Niederlage der Supermacht**

Für die als stärkste Militärmacht der Welt geltenden USA ist der Konflikt eine Blamage. Sie konnten die Islamische Republik nicht in die Knie zwingen, dafür aber globales wirtschaftliches Chaos auslösen, dessen Folgen sich kaum absehen lassen. Lieferketten, Energiepreise, die Versorgung mit Lebens- und Düngemitteln – der Krieg hat die Verwundbarkeit der Welt schonungslos offengelegt. In Teheran hat man genau registriert, mit wie wenig Aufwand sich maximaler Schaden anrichten lässt.

**Netanjahu auf der Verliererseite**

Auch Israels Premier Benjamin Netanjahu gehört zu den Geschlagenen. Lange hatte er auf einen Partner gewartet, der seine Iran-Mission mittrug – in Trump fand er ihn. Doch bei den Verhandlungen blieb der Israeli außen vor. Trump bedeutete ihm unmissverständlich, dass er sich zu fügen habe. Aus dem Cockpit der Entscheider wurde Netanjahu faktisch in die hinteren Reihen verbannt. Selbst republikanische Senatoren sprechen von einem Albtraum für Israel.

**Bittere Enttäuschung für die Iraner**

Und dann ist da das mutige iranische Volk. Viele hatten Trumps Versprechen geglaubt, nach den Massakern im Januar sei Befreiung von der Diktatur nahe. Vom Freiheitskampf der Iranerinnen und Iraner ist heute keine Rede mehr. Ihnen droht nun eine noch härtere Repression, weil radikale Kräfte gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen.

Teherans Machtclique kann frohlocken: Sie hat überlebt, dem Druck aus Washington standgehalten – und erzwingt Verhandlungen samt freigegebener Milliarden. Im globalen Süden verfängt diese Erzählung. Trotz beschädigter Infrastruktur scheint der Iran weiter Waffen produzieren zu können. Der Deal dürfte daher kaum mehr als eine Atempause sein. Ein neuer Krieg ist nicht ausgeschlossen – womöglich bald, dann aber ohne die USA.