Der besten Wahlkampfhelfer der AfD sitzen in Berlin

Es gibt in der deutschen Politik eine Gesetzmäßigkeit, die so simpel ist, dass man sich wundert, warum sie im Berliner Betrieb offenbar niemand begreifen will: Wer einen politischen Gegner permanent zum absoluten Feind erklärt, wer ihn ausgrenzt, umzingelt und mit einer Mauer des Schweigens oder der moralischen Empörung umstellt, der verleiht ihm genau die Bedeutung, nach der er sich sehnt. Man macht ihn nicht kleiner. Man macht ihn zum Märtyrer. Und Märtyrer wachsen bekanntlich in dem Boden am besten, den ihre Verfolger für sie düngen.

Die These, ein geschlossenes Bündnis aller anderen Parteien schwäche die AfD, ist ein Denkfehler mit langer Halbwertszeit. In Wahrheit passiert das Gegenteil. Jeder Wähler, der sich abwendet, spürt instinktiv, wenn man ihm die Wahl abnimmt, bevor er sie überhaupt getroffen hat. Und genau das geschieht seit Jahren.

Nehmen wir den klassischen Fall: Da gibt es Menschen, die möchten konservativ wählen. Sie kreuzen die Union an, weil sie sich davon eine bürgerliche, wertkonservative, wirtschaftsliberale Politik erhoffen. Was sie am Ende bekommen, hängt von der Arithmetik in Land und Bund ab – mal ein schwarz-grünes Konstrukt, mal ein rot-schwarzes, in manchen Regionen sogar ein Bündnis, das noch weiter nach links reicht. Der Wähler hat sein Kreuz gesetzt, und trotzdem wird er von einer Konstellation regiert, die mit seinen ursprünglichen Vorstellungen wenig gemein hat. Er fühlt sich vorgeführt. Und irgendwann fragt er sich, ob es überhaupt noch einen Unterschied macht, wo er sein Kreuz platziert.

An dieser Stelle beginnt die eigentliche Wanderung. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Frust. Der Mann oder die Frau am Küchentisch mag mit den Personen an der Spitze der Alternative wenig anfangen können. Er mag ihre Rhetorik als schrill empfinden, ihre außenpolitischen Positionen als abenteuerlich, ihren Umgangston als abstoßend. Und trotzdem landet sein Blick dort, weil ihm die übrigen Angebote nur noch als austauschbare Variationen desselben Themas erscheinen. Es ist ein Protest, kein Bekenntnis.

Man darf das nicht missverstehen. Wer die Alternative kritisiert, muss nichts beschönigen. Wenn deren Vorsitzende behauptet, es regne, dann scheint deswegen noch lange nicht die Sonne. Populistische Vereinfachung bleibt Vereinfachung, egal wie geschickt sie verpackt ist. Aber genau das ist der Punkt: Man muss diese Partei nicht künstlich dämonisieren, um sie zu entzaubern. Man müsste sie schlicht besser regieren als sie es verspricht. Und daran hapert es.

Die eigentliche Wurzel des Aufstiegs liegt nämlich nicht in der Schlauheit der Alternative, sondern im Versagen der anderen. Es war die Politik der Merkel-Jahre, die die Tür für den Aufstieg der Ränder weit aufgestoßen hat. Als 2015 die Kontrolle über die Zuwanderung faktisch aufgegeben wurde, entstand ein Zustand, in dem viele Bürger den Eindruck gewannen, der Staat habe die Steuerung über seine eigenen Grenzen verloren. Bestehende Regeln – etwa der Grundsatz, dass Schutzsuchende, die über ein sicheres Drittland einreisen, nicht ohne Weiteres Anspruch auf ein Verfahren in Deutschland haben – wurden in der Praxis ausgesetzt. Für viele Menschen war das nicht Humanität, sondern Kontrollverlust.

Man kann über die moralische Dimension dieser Entscheidung endlos streiten. Was sich politisch aber nicht wegdiskutieren lässt: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung fühlte sich mit seinen Sorgen nicht mehr ernst genommen. Wer damals Bedenken äußerte, wurde schnell in eine Ecke gestellt, in die er eigentlich nicht gehörte. Und wer sich in eine Ecke gedrängt fühlt, sucht sich irgendwann jemanden, der so tut, als würde er dort auf ihn warten.

Genau das ist die Ironie der ganzen Debatte. Die etablierten Parteien beklagen den Zulauf zur AfD, doch sie haben ihn selbst mitproduziert – durch verweigerte Kurskorrekturen, durch das Gefühl, dass demokratische Wahlen keinen wirklichen Politikwechsel mehr herbeiführen, und durch die Reflexhaltung, jede unbequeme Frage sofort mit dem moralischen Zeigefinger zu quittieren. Die sogenannte Brandmauer wird von ihren Erbauern gern als Bollwerk der Demokratie verkauft. Für nicht wenige Wähler wirkt sie jedoch wie ein Beweis dafür, dass die Mächtigen sich gegen den Willen eines wachsenden Teils der Bevölkerung verbünden.

Die Lösung wäre unbequem, aber sie ist naheliegend. Statt die Alternative durch demonstrative Geschlossenheit zu adeln, müssten die anderen Parteien die Themen, die sie groß gemacht haben, ernsthaft bearbeiten. Ordnung bei der Migration, spürbare wirtschaftliche Entlastung, ein Staat, der funktioniert. Kurz: Politik, die den Wähler wieder das Gefühl gibt, dass seine Stimme etwas bewegt. Das ist mühsamer als jede Ausgrenzungsstrategie, aber es ist der einzige Weg, der wirkt.

Denn eines ist sicher: Eine Partei, die von ihren Gegnern permanent zum Zentrum aller Aufmerksamkeit erklärt wird, könnte sich keinen besseren Wahlkampfmanager wünschen. Sie muss selbst kaum etwas tun. Die anderen erledigen die Arbeit für sie – Tag für Tag, mit jedem empörten Ausschluss, mit jeder verpassten Chance, es einfach besser zu machen.

Text: Svenski mit KI Unterstützung