Der Rundfunk-Beitrag: Heilige Kuh oder Auslaufmodell?

FOTO: KI-generiert

Niemand zahlt gern für etwas, das er nicht bestellt hat. Genau hier liegt der Kern des Konflikts um ARD und ZDF: Monat für Monat fließen 18,36 Euro pro Haushalt in ein System, das viele Menschen längst nicht mehr als ihr eigenes empfinden. Und doch wäre es ein Fehler, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorschnell abzuschreiben.

Beginnen wir mit dem, was funktioniert. In einer Zeit, in der Falschmeldungen sich in Sekunden über soziale Netzwerke verbreiten und Algorithmen entscheiden, welche Wahrheit uns serviert wird, braucht eine Demokratie verlässliche Anker. Die Tagesschau, die regionalen Korrespondentennetze, die Hintergrundberichte aus Krisengebieten – das alles kostet Geld, viel Geld, und lässt sich nicht über Klickzahlen refinanzieren. Wer glaubt, der freie Markt würde solchen Journalismus von allein hervorbringen, sollte einen Blick in Länder werfen, in denen der Boulevard die politische Debatte beherrscht.

Doch genau dieses Argument wird durch das Verhalten der Anstalten selbst untergraben. Wenn Intendanten Gehälter beziehen, die jenseits jeder Vorstellungskraft normaler Beitragszahler liegen, wenn üppige Pensionslasten den Etat aufblähen und der Skandal um Verschwendung beim RBB monatelang die Schlagzeilen bestimmt, dann verspielt das System sein wichtigstes Kapital: Vertrauen. Man kann nicht zugleich die unverzichtbare vierte Gewalt sein wollen und sich wie ein selbstgenügsamer Apparat verhalten, der dem Sparzwang anderer entzogen scheint.

Hinzu kommt die schiere Größe. Brauchen wir wirklich Dutzende Radiowellen, Spartenkanäle und parallele Strukturen in neun Landesrundfunkanstalten? Vieles davon ist historisch gewachsen, kaum etwas davon ist heute noch zwingend. Die Reform, über die seit Jahren geredet wird, kommt nur in homöopathischen Dosen voran. Programme werden zusammengelegt, ein paar Sender verschwinden – doch der große Wurf bleibt aus. Stattdessen wird über die nächste Beitragserhöhung gestritten, als wäre das Geld der Bürger eine unerschöpfliche Quelle.

Die Politik macht es sich dabei zu einfach. Ministerpräsidenten blockieren Erhöhungen aus wahltaktischen Erwägungen, statt eine ehrliche Debatte über Auftrag und Umfang zu führen. Was soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Jahr 2030 leisten? Welche Inhalte gehören zum Kern, welche sind Luxus? Diese Fragen werden umgangen, weil ihre Beantwortung unbequem ist und niemand sich die mächtigen Sendeanstalten zum Feind machen will.

Die jüngere Generation stellt unterdessen ihre eigene Antwort her – mit den Füßen, beziehungsweise mit dem Daumen. Wer unter dreißig ist, schaltet kaum noch das lineare Fernsehen ein. Die Mediatheken sind besser geworden, doch der Wettbewerb mit Streamingdiensten und Influencern ist erbarmungslos. Wer hier nicht relevant bleibt, wird zum teuren Denkmal seiner selbst.

Die Wahrheit liegt unbequem in der Mitte. Ein starker, unabhängiger Rundfunk ist ein Wert, den wir nicht leichtfertig opfern sollten. Aber er muss schlanker, transparenter und mutiger werden. Reform ist kein Angriff auf die Pressefreiheit, sondern ihre Lebensversicherung. Wer das System verteidigen will, sollte als Erster für seine Erneuerung kämpfen. Alles andere überlässt das Feld jenen, die es am liebsten ganz abschaffen würden.