Ich kann es nicht mehr hören. Wirklich nicht. Wann immer ich morgens die Nachrichten aufschlage, prasselt es auf mich ein: Hier wird ein „Deal“ verkündet, dort ein „Deal“ geplatzt, anderswo steht ein „Mega-Deal“ kurz vor dem Abschluss. Ein einziges, kleines englisches Wort hat sich in unsere Sprache gefräst wie ein hartnäckiger Fleck, den keine Wäsche mehr herausbekommt. Und ich frage mich allmählich, ob noch irgendjemand merkt, wie hohl dieses Wort eigentlich klingt.
Früher gab es dafür anständige deutsche Begriffe. Man schloss eine Vereinbarung, einigte sich auf einen Vertrag, traf eine Abmachung oder handelte einen Kompromiss aus. Jedes dieser Wörter trägt eine eigene Bedeutung, eine Nuance, einen Ton. Doch heute wird alles zum „Deal“ eingedampft, egal ob es um einen internationalen Friedensschluss, eine Koalitionsverhandlung oder den Verkauf eines Gebrauchtwagens geht. Sprachliche Vielfalt verkommt zum Einheitsbrei.
Dass ausgerechnet Donald Trump zum Großmeister dieser Wortinflation aufgestiegen ist, überrascht mich nicht im Geringsten. Für ihn ist alles ein Geschäft, eine Transaktion, ein Geben und Nehmen, bei dem am Ende einer gewinnt und einer verliert. Ob Zölle, Waffenstillstände oder diplomatische Beziehungen: Bei ihm wird die Welt zum Basar, auf dem hart gefeilscht wird. Sein Buch trug den Titel „The Art of the Deal“, und seitdem benimmt er sich, als wäre das politische Geschehen ein einziger Verhandlungstisch. Das Tragische daran ist, dass diese Denkweise längst abgefärbt hat. Selbst seriöse Diplomaten und Politiker greifen inzwischen zum „Deal“, als gäbe es kein anderes Wort mehr.
Und genau das ist mein Problem. Sprache formt das Denken. Wer ständig von „Deals“ spricht, reduziert komplexe Zusammenhänge auf simples Schachern. Ein mühsam ausgehandelter Friedensvertrag, der das Leben von Millionen Menschen betrifft, wird sprachlich auf eine Ebene mit einem Schnäppchen im Elektromarkt gestellt. Da geht etwas verloren, was wir uns eigentlich nicht leisten können: die Würde dessen, worüber wir reden.
Man könnte sagen, ich rege mich über eine Kleinigkeit auf. Über ein einziges Wort. Aber Wörter sind nie nur Wörter. Sie verraten, wie wir die Welt sehen. Und die Welt ausschließlich als Markt zu betrachten, auf dem jeder seinen Vorteil herauspresst, ist eine ziemlich kalte Sichtweise. Es bleibt kein Raum mehr für Überzeugung, für gemeinsame Werte, für Vertrauen. Es geht nur noch ums Geschäft.
Deshalb mein flammender Appell an alle Jurys, die Jahr für Jahr das Unwort küren: Nehmt euch dieses Wort vor. Setzt ein Zeichen. Macht „Deal“ zum Unwort, damit endlich wieder jemand innehält, bevor er es gedankenlos in jeden zweiten Satz einbaut. Vielleicht erinnern wir uns dann wieder daran, wie reich unsere eigene Sprache ist und wie viele präzise Begriffe sie bereithält.
Bis dahin werde ich weiter zusammenzucken, jedes Mal, wenn mir das Wort begegnet. Und das ist, leider, ungefähr alle drei Minuten. Vielleicht sollte ich mit den Nachrichtenredaktionen einen Deal aushandeln. Aber nein, genau das werde ich ganz sicher nicht tun.
Text: SVENSKI
