An kaum einer Stelle des Alltags spürt man den Druck auf den eigenen Geldbeutel so unmittelbar wie an der Zapfsäule. Wer morgens zur Arbeit fährt, blickt auf die Anzeigetafel der Tankstelle – und ärgert sich. Mal kostet der Liter Diesel am frühen Morgen deutlich mehr als am Abend, mal schnellen die Preise ohne erkennbaren Grund nach oben. Dieses Spiel mit den Nerven der Autofahrer hat System, und es ist höchste Zeit, dass jemand dem ein Ende setzt.
Natürlich, ein Teil der Schwankungen lässt sich erklären. Der Rohölpreis auf den Weltmärkten reagiert empfindlich auf politische Krisen, auf Förderentscheidungen großer Produzenten und auf den Kurs des Dollars. Auch die Steuerlast, die in Deutschland einen erheblichen Anteil am Preis ausmacht, ist kein Geheimnis. Doch all das erklärt nicht, warum sich die Preise an manchen Tagen mehrfach ändern, warum ausgerechnet zu Reisebeginn und vor langen Wochenenden die Beträge in die Höhe klettern. Hier wird die Notlage der Verbraucher schamlos ausgenutzt.
Ähnlich verhält es sich bei Strom und Gas. Während die Beschaffungskosten an den Börsen längst wieder gesunken sind, kommt diese Entlastung bei vielen Haushalten nur zögerlich oder gar nicht an. Die Energieversorger lassen sich mit Preissenkungen reichlich Zeit, während Erhöhungen erstaunlich flink durchgereicht werden. Wer als Kunde nicht regelmäßig den Anbieter wechselt und Vergleichsportale durchforstet, zahlt am Ende drauf. Das ist eine Zumutung für all jene, die ohnehin jeden Monat rechnen müssen.
Besonders bitter trifft es Menschen mit kleinem Einkommen, Pendler ohne Alternative zum eigenen Wagen und Familien, die ihre Wohnung warm halten müssen. Für sie sind Energie und Sprit keine Luxusausgaben, sondern feste Bestandteile des Existenzminimums. Wenn diese Grundkosten unkontrolliert steigen, bleibt am Monatsende immer weniger für alles andere übrig. Der Verzicht beginnt dann nicht beim teuren Restaurantbesuch, sondern beim Heizen und bei der Fahrt zum Arbeitsplatz.
Die Politik darf sich hier nicht länger wegducken. Es reicht nicht, mit dem Finger auf die Weltmärkte zu zeigen und ansonsten die Hände in den Schoß zu legen. Was es braucht, ist eine wirksame Aufsicht, die Preisabsprachen und das Ausnutzen von Marktmacht konsequent verfolgt. Eine transparente Preisbildung, die für jeden nachvollziehbar ist, wäre ein erster Schritt. Und langfristig führt kein Weg an einem entschlossenen Ausbau bezahlbarer, unabhängiger Energiequellen vorbei – nicht als ideologisches Projekt, sondern als nüchterne Frage der Versorgungssicherheit.
Denn eines ist klar: Wer dauerhaft von wenigen Konzernen und instabilen Lieferländern abhängig bleibt, liefert sich deren Preisgestaltung aus. Die Verbraucher haben ein Recht darauf, nicht jeden Tag aufs Neue Spielball undurchsichtiger Mechanismen zu sein. Es geht um mehr als ein paar Cent an der Tankstelle. Es geht um die Frage, ob sich die Menschen ihren Alltag noch leisten können – und ob der Staat bereit ist, sie dabei zu schützen, statt nur zuzusehen.
