Es ist ein Trauerspiel. Zwischen SPD und AfD liegt der größte Wählerraum, den dieses Land zu bieten hat. Millionen Bürger, die weder sozialdemokratisch regiert noch von Höcke vertreten werden wollen. Und was passiert mit diesem Raum? Er zerlegt sich selbst. Stück für Stück. Ego für Ego.
Erst die Egos
Frauke Petry. Hans-Georg Maaßen. Jörg Meuthen. Drei kluge Köpfe, drei gescheiterte Projekte. Petry gründete die Blaue Partei, nach zwei Wahlschlappen aufgelöst. Maaßen gründete die WerteUnion und verließ sie im Oktober 2025 im Streit, mit einem Wahlergebnis, das man mit der Lupe suchen muss. Meuthen verließ die AfD, probierte es beim Zentrum, landete bei der WerteUnion und stand dort prompt im Machtkampf gegen Maaßen. Jetzt versucht es Petry zum dritten Mal, mit Team Freiheit und Kemmerich an der Spitze.
Das Muster ist immer gleich: Jeder gründet sein eigenes Ding. Jeder will Chef sein. Keiner will Zweiter. Und am Ende gewinnt: niemand. Außer die AfD.
Dann die Brandmauer
Wer nicht am eigenen Ego scheitert, scheitert an der Brandmauer. Man muss es klar sagen: Die Brandmauer ist kein Schutzwall gegen Extremisten. Sie ist ein Werkzeug der Linken, um die CDU zu geißeln. Jeder konservative Vorstoß wird mit dem AfD-Vorwurf abgewürgt, jede Abstimmung zum Gesinnungstest erklärt. Die Union hat diese Peitsche brav entgegengenommen und schlägt sich jetzt selbst damit: mit der AfD nie, mit allen anderen immer. Ergebnis: Sie regiert mit Sozen, Grünen und Linken und verliert dabei ihr konservatives Gesicht. Wüst und Günther auf der einen Seite, die Konservativen auf der anderen. Die Partei zerreißt sich live vor laufender Kamera.
Dabei zeigt Berlin gerade, wie heuchlerisch die ganze Veranstaltung ist. Die Linke ist dort stärkste Kraft, Rot-Grün-Rot ist rechnerisch drin. Spätestens wenn SPD und Grüne mit der ultralinken Partei von Elif Eralp zusammengehen, einer Partei mit Antisemitismus in den eigenen Reihen und besten Clan-Kontakten, sollte auch die CDU einsehen: Die Brandmauer ist gefallen. Nur eben nach links. Und wer nach links alles darf, kann nach rechts nicht alles verbieten.
Und die FDP?
Die hat es andersherum versucht. Sie ist nach links geschwenkt, hat sich in der Ampel aufgerieben, hat Sozialdemokraten und Grünen beim Geldausgeben zugesehen und wurde dafür bestraft. Raus aus dem Bundestag. 4,4 Prozent in Baden-Württemberg, dem Stammland. 2,1 Prozent in Rheinland-Pfalz. Und während die Parteispitze noch über Erneuerung philosophiert, laufen Kemmerich, van Baal und andere zu Petry über. Die FDP blutet nach rechts aus und will trotzdem nicht nach rechts. Das ist kein Kurs. Das ist Stillstand im freien Fall.
Das Ergebnis
Eine CDU, die sich spaltet. Eine FDP, die verschwindet. Eine WerteUnion ohne Maaßen. Ein Team Freiheit ohne Wähler. Und dazwischen Millionen Bürger, die nicht wissen, wen sie wählen sollen, und am Ende aus Trotz die AfD ankreuzen. Oder gar nicht mehr hingehen.
Das ist nicht nur ein Problem für die Parteien. Das ist ein Problem für Deutschland.
Der Ausweg: Ein Tisch. Ein Ziel.
Es gibt nur eine Lösung, und sie ist unbequem: Die Protagonisten müssen an einen Tisch. Petry, Maaßen, Meuthen, Kemmerich. Kubicki für das, was von der FDP übrig ist. Die Konservativen der CDU, die nicht länger hinter Wüst und Günther stehen wollen.
Ja, das gab es schon mal. In der WerteUnion saßen Maaßen und Meuthen am selben Tisch und sind sich an die Gurgel gegangen. Das ist kein Grund, es nicht noch einmal zu versuchen. Es ist der Grund, es diesmal anders zu machen. Irgendwann muss die Einsicht kommen: Getrennt verlieren alle. Nicht als Freunde, das werden sie nie. Sondern als Leute, die das endlich begriffen haben.
Drei Dinge gehören auf diesen Tisch:
Erstens: ein gemeinsames Programm. Fünf Seiten, nicht fünfhundert. Wirtschaft, Migration, Energie, Meinungsfreiheit. Der kleinste gemeinsame Nenner reicht, wenn er klar ist.
Zweitens: eine Personalregel. Wer am Tisch sitzt, verzichtet auf den Vorsitz. Keine Galionsfigur, kein Frühstücksdirektor. Ein Sprecher, gewählt auf Zeit. Genau daran ist die WerteUnion gescheitert, also fängt man genau dort an.
Drittens: Schluss mit der Brandmauer als Fremdsteuerung. Keine Koalition mit der AfD, aber auch kein Tabu, mit ihr abzustimmen, wenn die Sache stimmt. Wer sich weiter von links vorschreiben lässt, mit wem er die Hand heben darf, hat am Tisch nichts verloren.
Klingt naiv? Vielleicht. Aber die Alternative ist, dass sich das bürgerliche Lager weiter zerlegt, bis nur noch zwei Blöcke übrig sind: links und AfD. Dann hat Deutschland die Wahl zwischen Pest und Cholera. Und die Protagonisten von heute können sich gegenseitig erklären, wer schuld war.
Der Tisch steht. Es fehlen nur die Stühle. Und der Mut, sich zu setzen.



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