Es ist zum Heulen. Essengehen war mal das kleine Glück des Alltags: freitags nach der Schicht ein Schnitzel und ein Bier, sonntags mit den Kindern zum Italiener – fertig war das Wochenende. Ein Ort, an dem man zusammenkam. Und heute? Wer mit einer vierköpfigen Familie an einem normalen Samstag zum Lieblingsgriechen geht, legt nach zwei Stunden ohne Wimpernzucken 100 bis 120 Euro auf den Tisch. Zwei einfache Hauptgerichte, zwei Kinderteller, vier Getränke, ein kleines Trinkgeld – zack, Loch in der Haushaltskasse.
Das Ergebnis? Familien streichen den Restaurantbesuch als Erstes aus dem Budget. Es wird zur absoluten Ausnahme, zum unerschwinglichen Luxusevent.
7,50 Euro für eine Straßenfest-Bratwurst? Ihr habt doch den Schuss nicht gehört!
Besonders dreist wird es dort, wo eigentlich Geselligkeit für alle herrschen sollte: auf dem lokalen Straßenfest, der Kirmes oder dem Stadtteil-Jahrmarkt. Wer dort heute mit den Kindern schlendert, wähnt sich auf einer Promi-Meile:
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7,50 Euro für eine einfache Bratwurst im Pappbrötchen! Ein bisschen gepresstes Fleisch aus der Großküche, auf dem Grill heiß gemacht, ein Klecks Billigsenf drauf – 7,50 Euro. Früher fütterte man damit auf dem Stadtfest die ganze Familie durch. Heute überlegt man zweimal, ob das Kind wirklich Hunger hat.
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6,00 Euro für ein schales Plastikbecher-Bier! Keine Krone, halb lauwarm, zapfen im Akkord, CO2-arm abgestanden. Wer für ein laues 0,3-Liter-Bier im Plastikbecher ohne Bedienung sechs Euro aufruft, betreibt keinen Verkauf mehr – das ist Wegelagerei.
Auf den Plätzen, die früher das Herz der Nachbarschaft waren, bleibt Familien und normalen Verdienern heute die Spucke weg. Die Folge: Man geht gar nicht erst hin oder bringt die Capri-Sonne und das Butterbrot im Rucksack selber mit.
Selbst beim Imbiss um die Ecke herrschen Mondpreise
Wer glaubt, er könne dem Preiswahnsinn ausweichen, indem er im Alltag kurz beim Imbiss vorbeischaut, reibt sich verwundert die Augen. Selbst die einfache Gastronomie verlangt mittlerweile Preise, die sprachlos machen:
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Der Döner: Früher der eiserne Retter für den schmalen Geldbeutel bei 3,50 bis 4,50 Euro. Heute stehen mancherorts 8,50 bis 12 Euro an der Tafel.
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Fast-Food-Menüs: Wer bei den großen Ketten für eine vierköpfige Familie zwei Burger-Menüs und zwei Kids-Meals holt, legt schnell 35 bis 50 Euro hin – für Pappteller, Selbstbedienung und Plastikstühle.
Ein schneller Bissen zwischendurch ist kein Schnäppchen mehr, sondern ein kalkulierter Invest.
Das 26-Euro-Schweineschnitzel
Blicken wir auf die normale Gutbürgerliche Küche:
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Hamburger Mittagskarte: Backfisch mit Kartoffelstampf, 17,90 Euro. Ein kleines Getränk dazu, und der Zwanziger ist weg. Für eine dreißigminütige Mittagspause! Die Krankenschwester, der Azubi, die Rentnerin? Essen wieder die mitgebrachte Stulle am Schreibtisch oder auf der Parkbank. Und der Wirt wundert sich über den leeren Laden.
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Im Raum Stuttgart: Schweineschnitzel mit Pommes für 26 Euro – 220 Gramm Fleisch, Salat kostet extra. Die Portion schrumpft, das Schnitzel versteckt sich unterm Salatblatt. Die Gäste fühlen sich ausgenommen wie Weihnachtsgänse.
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In München: Das Wiener Schnitzel kratzt an der 42-Euro-Marke.
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Ein Promi-Wirt aus Wangen hält 16 Euro für Käsespätzle „noch immer zu billig“. Käsespätzle! Mehl, Ei, Käse, Zwiebeln – Zutaten im Warenwert von vielleicht zwei Euro. Die spinnen doch!
Rechnen wir mal nach, Herr Wirt
Dabei ist die kaufmännische Logik so einfach, dass sie jeder Stammtisch hinkriegt:
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Beispiel Bier (0,4 Liter): Kostet das Glas 5,20 Euro, trinkt der Gast genau eins, zahlt mürrisch und geht. Umsatz: 5,20 Euro. Kostet das Bier faire 4,50 Euro, bleibt er sitzen und bestellt ein zweites. Umsatz: 9,00 Euro. Ziehen wir ca. 1,30 Euro Einkauf pro Glas ab, bleiben beim teuren Einzelbier ca. 3,90 Euro hängen – beim zweiten fairen Bier dagegen 6,40 Euro. Das sind fast zwei Drittel mehr Ertrag in der Kasse, nur weil der Gast nicht beleidigt nach Hause geht! Und zum zweiten Bier kommen oft die Erdnüsse, der Absacker oder das Dessert. Der zweite Durst ist der Gewinn. Das wusste früher jeder Dorfwirt.
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Beispiel Mittagstisch: 18 Euro verlangen und mit 20 Gästen im halb leeren Raum 360 Euro umsetzen? Oder 12,90 Euro nehmen, woraufhin das ganze benachbarte Büro rüberkommt und 45 Gäste für 580 Euro Umsatz sorgen? Der Koch steht sowieso am Herd, die Miete läuft sowieso. Ob 20 oder 45 Teller rausgehen, macht beim Fixkostenblock kaum einen Unterschied. Nur die Kasse klingelt völlig anders. Das ist keine Milchmädchenrechnung, das ist klassische Wirtshausrechnung.
Die Steuer ist runter, die Preise gehen rauf
Und bitte keine Ausreden mehr mit den Abgaben! Die Steuergeschenke der Politik wurden gerne mitgenommen, aber beim Gast kam nichts an. Im Gegenteil:
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In vielen Regionen wurde das Essen im Anschluss direkt wieder teurer.
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Drei von vier Betrieben haben die Preise trotz Entlastung gar nicht erst nach unten angepasst.
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Nur ein Bruchteil der Gäste hat jemals günstigere Preise auf den Speisekarten gesehen.
Wo sind die eingesparten Prozentpunkte gelandet? Beim Gast jedenfalls nicht. Und wer dann noch die Portionen schrumpft – verdeckte Preiserhöhung durch Kumpel Shrinkflation –, betrügt seine Stammgäste. Die merken das sofort. Beim ersten Mal wundern sie sich, beim zweiten Mal bleiben sie weg. Für immer.
Die Quittung ist da – und sie tut weh
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Über 70 Prozent der Menschen in Deutschland finden Essengehen und Ausgehen mittlerweile schlicht zu teuer.
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Jeder Dritte geht deutlich seltener ins Restaurant oder auf Feste.
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Es wird am Getränk gespart, die Vorspeise gestrichen, der Nachtisch abgelehnt.
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Die realen Umsätze brechen ein, und gegenüber früher klafft ein riesiges Loch.
Die Konsequenz ist bitter: Tausende Pleiten, Zehntausende Betriebe und Stände, die dichtmachen mussten. Der Dorfkrug, in dem drei Generationen Konfirmation und Geburtstag gefeiert haben. Die Eckkneipe mit dem Stammtisch seit 40 Jahren. Das bunte Straßenfest, das zum verwaisten Trauerspiel wird. Alles weg. Nicht etwa, weil die Menschen keine Lust mehr auf Gemeinschaft haben, sondern weil sie es sich schlicht nicht mehr leisten können.
Liebe Wirte und Standbetreiber, wacht auf!
Ihr jagt eure Gäste mit Mondpreisen raus und heult anschließend über leere Stühle und verwaiste Festplätze. Ein volles Lokal mit fairen Preisen verdient unterm Strich mehr als ein leeres mit Luxuspreisen. Ein voller Festplatz, auf dem drei schale Bier getrunken werden, bringt mehr als einer, auf dem die Gäste wütend am Wasserbecher nuckeln. Das ist Grundschulmathematik.
Macht die Portionen wieder satt, das Bier wieder bezahlbar, die Bratwurst und den Mittagstisch wieder zu dem, was sie mal waren: ehrlicher Genuss für ehrliches Geld. Sonst sitzt ihr bald ganz alleine in eurem Bierzelt oder eurer Stube – mit einer Bratwurst für 7,50 Euro und einem Bier für 6,00 Euro. Die keiner mehr kauft.



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