Erst feministische Außenpolitik, jetzt feministische Vereinspolitik im Männerfußball? Geht’s eigentlich noch? Kathleen Krüger macht beim HSV einen verdammt guten Job. Nicht, weil sie eine Frau ist. Sondern weil sie etwas vom Fußball versteht. Eine Antwort auf den jüngsten BILD-Kommentar von Alfred Draxler.
Alfred Draxler, langjähriger BILD-Sportchef, hat eine bemerkenswerte Erkenntnis gewonnen: Beim HSV trifft eine Frau gute Entscheidungen. Und plötzlich könnte das, so spekuliert er, der Beginn einer „feministischen Vereinspolitik“ im Männerfußball sein.
Ja, habt ihr eigentlich noch alle Latten am Zaun?
Muss denn heute wirklich jeder Erfolg einer Frau sofort zum gesellschaftspolitischen Großereignis erklärt werden? Kann eine Frau nicht einfach ihren Job machen? Gut machen? Vielleicht sogar besser als die männlichen Kollegen?
Kathleen Krüger (41) ist seit Juli Sportvorständin des Hamburger SV. Und offensichtlich macht sie einiges richtig. Nach drei krachenden Niederlagen und 0:12 Toren verlängerte der HSV den Vertrag mit Trainer Merlin Polzin. Während andere Vereine vermutlich schon den nächsten Feuerwehrmann auf der Trainerbank gesucht hätten, bewahrte Krüger die Ruhe.
Drei Siege später sieht die Fußballwelt plötzlich anders aus.
Draxler staunt. Und vermutet, Frauen könnten eben anders denken als Männer.
Was für ein ausgemachter Blödsinn!
Krüger denkt nicht weiblich. Sie denkt professionell.
Zwölf Jahre war sie Teammanagerin bei den Männern des FC Bayern München. Zwölf Jahre in einem der härtesten, anspruchsvollsten und gelegentlich verrücktesten Fußballunternehmen Europas.
Sie arbeitete mit Uli Hoeneß, dem polternden Patriarchen des deutschen Fußballs. Mit Pep Guardiola, einem ebenso brillanten wie kompromisslosen Perfektionisten. Beides keine Männer, die man unbedingt mit feministischer Führungskultur in Verbindung bringt. Eher mit Alpha-Tieren, Durchsetzungsvermögen und gelegentlichem Machogehabe.
Und mittendrin: Kathleen Krüger.
Sie hat das Geschäft gelernt. Von der Pike auf. Sie kennt die Eitelkeiten der Stars, die Launen der Trainer, die Mechanismen des Profifußballs und die Hysterie der Medien.
Und vor allem weiß sie offenbar, wann man besser die Klappe hält, statt öffentlich den nächsten Trainer anzuzählen.
Das nennt man Kompetenz. Nicht Feminismus.
Man stelle sich vor, ein männlicher Sportvorstand hätte Polzins Vertrag verlängert. Würde irgendjemand über maskuline Vereinspolitik philosophieren? Über testosterongesteuerte Personalentscheidungen oder eine neue Ära männlicher Führung?
Natürlich nicht!
Dann hieße es: Mutige Entscheidung. Weitsicht bewiesen. Rückgrat gezeigt.
Bei einer Frau wird daraus plötzlich eine Geschlechterdebatte.
Dabei brauchen wir im Fußball weder feministische noch maskulinistische Führungspolitik. Wir brauchen Menschen, die ihr Handwerk verstehen.
Ob Mann oder Frau, jung oder alt, laut oder leise: Entscheidend ist, was am Ende herauskommt.
Krüger drängt sich nicht in jede Kamera, verteilt keine markigen Sprüche und muss offenbar niemandem beweisen, wie wichtig sie ist. Sie lässt Sportdirektor Claus Costa arbeiten und übernimmt Verantwortung für die großen Entscheidungen.
Das wirkt erfreulich unaufgeregt. Gerade bei einem Verein, der über viele Jahre beinahe ein Abonnement auf Chaos hatte.
Und ja: Vielleicht ist ihre Entscheidung für Polzin am Ende sogar falsch. Drei Siege garantieren schließlich keine erfolgreiche Saison.
Aber auch dann wäre das keine Niederlage feministischer Fußballpolitik.
Sondern schlicht eine sportliche Fehlentscheidung.
Lieber Alfred Draxler, lasst doch endlich diesen ganzen Chauvi-Quatsch!
Kathleen Krüger braucht weder einen feministischen Heiligenschein noch einen Geschlechterbonus. Sie braucht auch keine journalistischen Erklärungsversuche, warum eine Frau im Männerfußball erfolgreich sein kann.
Sie hat Erfahrung. Sie hat Fachwissen. Sie hat offenbar ein gutes Gespür für Menschen.
Und sie macht bislang einen verdammt ordentlichen Job.
Nicht trotz ihres Geschlechts. Nicht wegen ihres Geschlechts. Sondern völlig unabhängig davon.
So einfach kann Fußball sein.
Und jetzt, liebe Kollegen: Redet endlich wieder über Tore, Trainer und Tabellen. Statt über Männer, Frauen und feministischen Unsinn!



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