· @Sven Wolter-Rousseaux (mit KI-Unterstützung)
Null Punkte, null Tore, zwölf Gegentore – und mittendrin verlängert die neue Sportvorständin Kathleen Krüger mit Trainer Merlin Polzin bis 2029. Halb Fußball-Deutschland lachte, die Experten schüttelten den Kopf. Sechs Wochen später: drei Siege in Serie, Stuttgart in der Tabelle überholt, der Volkspark tobt. Und der Mann des Spiels heißt Miro Muheim – ein Schweizer, den der HSV im Sommer noch loswerden wollte.
Schlechtester Start der Vereinsgeschichte – und eine Frau, die nicht wackelt
Erinnern wir uns: 0:2 in Dortmund, 0:5 gegen Mainz, 0:5 in Leipzig. Der schlechteste Bundesliga-Start der Klubgeschichte, Tabellenletzter, Torverhältnis 0:12. Die Bild erklärte den HSV zum „Opfer“, der kicker sah schon einen Absteiger. Und was macht die Neue vom FC Bayern? Sie kündigt noch vor dem Leipzig-Debakel die Verlängerung an – und zieht sie danach durch. Polzin und sein Trainerteam bis 2029. Punkt.
Das Echo kam prompt. Dietmar Hamann: „Ich hätte es wahrscheinlich so nicht gemacht.“ Max Kruse und Martin Harnik meckerten mit, in jeder Talkrunde wusste es jemand besser. Krügers Antwort: „Wir sind kein Fähnlein im Wind.“ Ein Satz, den man beim HSV lange nicht gehört hat! Dieser Klub hat über Jahre Trainer verschlissen wie andere Leute Socken – und wurde davon nicht besser, sondern nur nervöser. Krüger hatte den Mut, genau das nicht zu tun.
Muheim: erst auf der Verkaufsliste, jetzt der Mann für die 88. Minute
Und dann ist da Miro Muheim. 28 Jahre, Schweizer Nationalspieler, WM-Fahrer, seit 2021 im Volkspark. Vertrag nur noch bis 2027. Im Sommer hieß die Devise im Klub: verlängern oder verkaufen. Mindestens sechs Millionen sollte er bringen, Olympiakos Piräus wurde gehandelt – und am Deadline Day holte der HSV mit David Møller Wolfe auch noch einen neuen Linksverteidiger. Für Muheims Position! Deutlicher kann man einem Spieler die Tür nicht zeigen.
Muheim blieb. Biss sich nach Adduktorenproblemen zurück ins Team, ohne ein böses Wort. In Hoffenheim kam er von der Bank, legte das 2:2 auf und jagte den Ball in der 94. Minute per Volley zum 3:2 ins Netz. Gegen Stuttgart stand er plötzlich auf der Sechs, weil Kapitän Remberg (Kreuzbandriss) und Sambi Lokonga fehlten. Notlösung, hieß es. Von wegen! Der Mann, der gehen sollte, trägt diesen HSV gerade auf den Schultern.
Pfosten, Latte, Muheim – so lief der Krimi gegen Stuttgart
57.000 im ausverkauften Volkspark, ein Spiel wie ein Herzinfarkt. Stuttgart hämmerte an Pfosten und Latte, Undav und Demirović vergaben, was man vergeben kann. Vorn donnerte Yussuf Poulsen das Ding an die Latte. 0:0 zur Pause, 0:0 nach 80 Minuten, und jeder im Stadion dachte: Heute reicht es für einen Punkt.
Dann die 88. Minute. Konter, Grønbæk auf El Ouahdi, El Ouahdi legt quer – und Muheim zieht aus der Distanz ab. Winkel. Tor. Der Volkspark steht Kopf! 1:0, dritter Sieg in Serie, neun Punkte, am VfB vorbei. Und ein Trainer, der nach dem 0:12-Start angeblich schon erledigt war, steht an der Seitenlinie und grinst.
Noch ein Detail, das mehr sagt als jede Tabelle: Beim Aufwärmen trug die komplette Mannschaft die 21 – für den frisch operierten Remberg. Das ist Zusammenhalt. Das ist genau die Verbundenheit, von der Krüger gesprochen hat, als alle sie belächelt haben.
Die Lehre aus sechs Wochen HSV
Was lernen wir daraus? Dass Ruhe im Fußball mehr wert ist als jede Expertenrunde. Dass eine Frau, die vom FC Bayern kommt und keine Lust auf Hamburger Hysterie hat, genau das ist, was dieser Klub gebraucht hat. Und dass man Spieler nicht nach Marktwerttabellen beurteilt, sondern nach dem, was sie in der 88. und in der 94. Minute tun.
Frau Krüger, eine Bitte: Der Vertrag von Miro Muheim läuft 2027 aus. Zücken Sie den Stift! Dieser Mann darf im Sommer nicht ablösefrei durch die Tür gehen, die man ihm im August noch aufhalten wollte.
Und an alle, die im September schon den Absteiger gesehen haben: Schaut auf die Tabelle. Alles richtig gemacht, HSV – Weitermachen!!!!



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