Mittwochabend, eine Videokonferenz. Auf der anderen Seite der sozialistische Studentenverband ihrer Partei. Und die Vorsitzende der Linken, Mitglied des Deutschen Bundestages, gibt ein Versprechen ab, das man zweimal lesen muss. „Ich stelle mich schützend vor euch“, egal, von wem ihr angegriffen werdet, Polizisten oder Medien. Darauf könne man sich verlassen. Zehn Tage vor Halloween. Zehn Tage vor dem Tag, an dem die „Gen Z“ in deutschen Städten auf die Straße will.
Man muss sich das klarmachen. Eine Parteichefin stellt sich nicht zwischen Demonstranten und Gewalt. Sie stellt sich zwischen Demonstranten und den Staat.
Wie das endet, kann jeder in Frankreich besichtigen. Geplünderte Geschäfte, angezündete Autos, Gewalt in mehreren Großstädten, inzwischen auch in Belgien und Italien. 2397 Festnahmen, rund 90 Prozent davon Erwachsene zwischen 18 und 30. Keine Schüler. Vor allem Männer. Ein Innenminister, der laut ZDF den Kontrollverlust seiner Polizei einräumt. Schwerdtners Fazit? Frankreich zeige, „wie Widerstand geht“. Was dort funktioniere, „müssen wir auch in Deutschland machen“, die Massenproteste gehörten zu einem größeren Narrativ zusammengebunden. Über Polizeigewalt klagte sie gleich mehrfach. Und die Presse? Drehe schon durch, bevor überhaupt jemand auf der Straße war. Wer auf Migranten und Linksextreme zeigt, verbreitet in ihrer Welt das Trump-Narrativ.
So redet keine Reformerin. So redet jemand, der den Umsturz mit Worten vorbereitet und das Risiko einkalkuliert. Das Programm dahinter ist kein Geheimnis. Bei Lanz: „Milliardäre abschaffen“, Schuldenbremse weg, eine Billion Euro in zehn Jahren. Die Vergesellschaftung der Wohnungskonzerne sei „gar keine Frage“, Bedingung jeder Regierungsbeteiligung. Berlin soll die „wohnungspolitische Revolution“ liefern, ein roter Leuchtturm, von dem aus AfD-Verbot, Vermögenssteuer und das Ende der Schuldenbremse angestoßen werden. Revolution. Das Wort ist ihres.
Und Regeln? Gelten, bis sie stören. Im Juni, als in den Chats ihrer Jugendorganisation Stalin hochlebte, hieß es: „Wer das anders sieht, hat bei uns keinen Platz.“ Im Oktober ist die Position einer Abgeordneten, Staaten hätten kein Existenzrecht, plötzlich „absolut legitim“. Keine Person werde auf Wunsch anderer Parteien ausgeschlossen. Wer Antisemitismus in der Linken benennt, betreibt nach ihrer Lesart ekelhafte Instrumentalisierung. Dass ihr Abgeordneter Ferat Koçak nach Chats mit dem Sohn des Remmo-Clans seinen Sitz im Innenausschuss aufgeben musste, dem Gremium, das BKA, Bundespolizei und Verfassungsschutz kontrolliert, passt ins Bild.
Bayerns Innenminister Herrmann nennt sie inzwischen eine „Gefahr für Deutschland“. Hessens Ministerpräsident Rhein schlägt Alarm. Brandenburgs Innenminister spricht von allergrößten Sorgen vor Halloween. Die Berliner Polizeigewerkschaft bereitet sich auf eine „Großdemolage“ vor.
Schwerdtner sagt, sie wolle keine Plünderungen. Sie will nur die Bewegung, die plündert. Deren Methode. Deren Wut. Und sie stellt sich vor die, die sie anwenden, sobald der Staat sie aufhält. Am 31. Oktober beantwortet sich dann die Frage, die sie selbst gestellt hat: Wer steht vor wem?



Kommentare
Noch keine Kommentare – schreiben Sie den ersten.