Gesellschaft
NIUS und Julian Reichelt stehen immer wieder wegen ihrer zugespitzten Berichterstattung in der Kritik. Doch wo endet journalistische Meinungsbildung, und wo beginnt Stimmungsmache? Eine Frage, die sich nicht nur NIUS, sondern jede Redaktion stellen muss. Bild: KI-generierte Montage.

NIUS – oder der naive Vorwurf der Stimmungsmache

KI-Faktencheck: Stimmig – zur Begründung springen
Ein Kommentar von Sven Wolter-Rousseaux mit KI-Unterstützung 3 Minuten Lesezeit

Wo endet Meinung, wo beginnt Manipulation?

Stimmungsmache ist kein Verbrechen, sie ist das Geschäft

Es gibt in Deutschland einen Vorwurf, der klingt vernichtend und ist in Wahrheit banal: Dieses Medium mache Stimmung. Gerade trifft es NIUS, und zwar von allen Seiten gleichzeitig. Campact wirft dem Portal irreführende Schlagzeilen und verkürzte Kontexte vor. Der Journalistenverband nennt es eine Empörungsmaschine. Correctiv recherchiert über die Abozahlen. Ruprecht Polenz hält auf X den Pressekodex hoch wie eine Monstranz.

Und ich frage mich bei jedem dieser Beiträge dasselbe: Welche Zeitung macht denn bitte keine Stimmung?

Jede Redaktion hat eine Richtung, und jeder weiß es

Jeder Leser in diesem Land weiß doch genau, was er bekommt. Die taz schreibt links, und sie will es so. Die Welt schreibt wirtschaftsliberal, und sie will es so. Die FAZ schreibt bürgerlich-konservativ, der Spiegel mit Hamburger Oberlehrerton, die Süddeutsche mit sanfter Empörung über alles, was rechts von Grün steht. Der Tagesspiegel berichtet über NIUS und nennt es ein rechtes Portal. Das ist Stimmungsmache in Reinform, und es ist völlig legitim.

Selbst Correctiv, das sich Faktencheck auf die Fahne schreibt, hat eine Agenda. Ein Rechercheteam, das die Abozahlen eines Konkurrenten durchleuchtet, macht keine neutrale Buchführung. Es macht Stimmung. Man kann das gut finden oder schlecht, aber bitte nicht so tun, als seien die einen Journalisten und die anderen Agitatoren.

Der Mythos von der reinen Objektivität

Ja, es gibt Redaktionen, die sich ehrlich bemühen, neutral zu bleiben. Agenturen, Nachrichtenressorts, die Tagesschau an guten Tagen. Aber gelingen tut es so gut wie nie. Und das liegt nicht an bösem Willen, sondern am Handwerk selbst.

Denn Journalismus beginnt mit einer Entscheidung: Was kommt rein, was fliegt raus? Welcher Messerangriff ist eine Meldung, welcher eine Randnotiz? Welche Studie steht auf Seite eins, welche gar nicht? Wird der Täter benannt oder der Kontext? Jede dieser Entscheidungen ist bereits Haltung. Die Überschrift ist Haltung. Das Foto ist Haltung. Die Reihenfolge der Zitate ist Haltung. Und das Weglassen erst recht.

Wer behauptet, er mache reine Information ohne Färbung, der lügt entweder sich selbst an oder seine Leser. Ich halte die erste Variante für wahrscheinlicher, und genau deshalb ist sie so gefährlich. Der Spiegel hat jahrelang nicht gemerkt, dass einer seiner Starreporter Geschichten erfunden hat. Relotius flog nicht durch den Pressekodex auf, sondern durch einen Kollegen, dem etwas komisch vorkam.

Man muss NIUS nicht mögen

Ich muss NIUS nicht gut finden. Vieles dort ist mir zu laut, zu zugespitzt, zu sehr auf den einen Effekt gebaut. Wer Gerichtsverfahren verliert, hat Fehler gemacht, und Fehler muss man einräumen. Das gilt für Reichelt genauso wie für jede andere Redaktion in diesem Land.

Aber zwischen Fehler und Lüge liegt ein Abgrund. Ein Fehler ist schlampige Recherche, eine zu scharfe Schlagzeile, ein Kontext, der unter den Tisch fällt. Eine Lüge ist der Vorsatz. Und wer einer kompletten Redaktion Vorsatz unterstellt, der behauptet, Menschen stünden jeden Morgen auf und beschlössen gemeinsam, das Publikum zu betrügen.

Das ist eindimensional. Es ist bequem. Und es ist eine Methode, mit der man sich jede Auseinandersetzung mit dem Inhalt spart. Wer lügt, mit dem muss man nicht mehr diskutieren. Genau das ist der Zweck dieses Vorwurfs: Er ist kein Argument, er ist ein Hausverbot.

Streitet, aber verurteilt nicht

Die ehrlichste Lösung wäre, dass alle aufhören, so zu tun, als säßen sie über der Sache. Schreibt, was ihr denkt. Sagt dazu, wo ihr steht. Und lasst die Leser entscheiden, was sie davon halten.

Wer NIUS für schlecht hält, soll besser sein. Wer Fehler findet, soll sie benennen, Zeile für Zeile. Das ist Journalismus. Aber der Satz, die anderen lügen bewusst, ist keine Kritik. Er ist der Versuch, einen Konkurrenten aus der Debatte zu entfernen, statt ihn zu widerlegen.

Und mal ehrlich: Wer glaubt, in seiner eigenen Zeitung stehe die reine Wahrheit und in der anderen die reine Lüge, hat vom Journalismus nicht viel verstanden. Oder er hat sehr genau verstanden, wie man Stimmung macht.

Der KI-Faktencheck

Stimmig

Fazit: Die geprüften Kernfakten sind belegt; die behauptete wochenlange Dauer der Correctiv-Recherche lässt sich nicht bestätigen. Auf dieser Grundlage kann man die Sache so sehen wie der Autor. Eine andere Sichtweise betont journalistische Sorgfaltsregeln als gemeinsamen Maßstab unabhängig von der redaktionellen Ausrichtung.

Geprüft wurde die Fassung vom 25. Oktober 2026. Der Artikel wurde danach überarbeitet.

Details anzeigen: 6 geprüfte Aussagen, Quellen und EinordnungDetails ausblenden

Daten und Fakten geprüft

  • Bestätigt:

    Campact wirft NIUS irreführende Schlagzeilen und verkürzte Kontexte vor. Bestätigt

    Campact erhebt diese Vorwürfe auf seiner spätestens am 26. August 2026 aktualisierten NIUS-Themenseite. Geprüft ist hier das Vorliegen der Kritik, nicht die Richtigkeit sämtlicher darin angesprochenen Einzelfälle. Quelle: campact.de

  • Bestätigt:

    Ein Journalistenverband bezeichnet NIUS als Empörungsmaschine. Bestätigt

    Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di bezeichnete NIUS laut epd am 28. Mai 2026 als „Empörungsmaschine im Redaktionskostüm“. Die Aussage stammt von der dju, nicht vom Deutschen Journalisten-Verband DJV. Quelle: medien.epd.de

  • Nicht überprüfbar:

    Correctiv durchleuchtete wochenlang die Abozahlen von NIUS. Nicht überprüfbar

    Correctiv veröffentlichte am 9. Oktober 2026 eine Auswertung interner Daten zur Abonnentenentwicklung von NIUS. Eine wochenlange Beschäftigung speziell mit den Abozahlen geht aus der Veröffentlichung nicht hervor. Quelle: correctiv.org

  • Bestätigt:

    Ruprecht Polenz beruft sich auf X gegenüber NIUS auf presseethische Selbstverpflichtungen. Bestätigt

    Der Tagesspiegel dokumentierte am 24. Oktober 2026 einen X-Beitrag von Polenz. Darin kritisierte er, dass NIUS die Selbstverpflichtungserklärung des Deutschen Presserats nicht unterschreibe. Quelle: tagesspiegel.de

  • Bestätigt:

    Claas Relotius erfand jahrelang Geschichten beim Spiegel; sein Kollege Juan Moreno deckte die Fälschungen auf. Bestätigt

    Der Abschlussbericht von 2019 dokumentiert mehrjährige Fälschungen und Morenos entscheidende Recherchen im Jahr 2018. Die Untersuchung fand keine Hinweise darauf, dass andere im Haus von den Fälschungen wussten oder sie deckten. Quelle: tagesspiegel.de

  • Bestätigt:

    NIUS hat Gerichtsverfahren verloren. Bestätigt

    Beispielsweise scheiterte NIUS im Eilverfahren gegen Äußerungen Daniel Günthers. Das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht wies die Beschwerde am 23. April 2026 zurück, weil Günther als Parteipolitiker gesprochen habe. Quelle: ndr.de

Andere Sichtweisen

In der Debatte wird neben Pressefreiheit und publizistischer Vielfalt die Bindung an gemeinsame journalistische Sorgfaltsregeln betont. Der Pressekodex verbindet die Freiheit der Berichterstattung mit der Verpflichtung, Tatsachen sorgfältig zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.

Machart

Der Text ist ein medienpolitischer Kommentar. Er entwickelt seine Position anhand öffentlicher Kritik an NIUS, journalistischer Auswahlentscheidungen und des dokumentierten Fälschungsfalls Claas Relotius.

Automatisch erstellt von einer KI mit Websuche am 25. Oktober 2026. Der Check kann Fehler enthalten und ersetzt keine redaktionelle Prüfung. Meinungen und Wertungen werden nicht als richtig oder falsch bewertet. So prüfen wir

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